Aufbrechen ohne Plan - Fotografieren, wo das Gefühl dich hinführt
Nicht festlegen müssen – auch das ist eine Entscheidung
- Sascha
Kennst du das auch? Du willst dich nicht auf ein Thema in der Fotografie festlegen. So ging es mir. Angefangen habe ich vor über zehn Jahren mit Landschaftsfotografie. Ich suche gerne das Weite und liebe wechselhafte Bedingungen. Natürlich fluche ich im Sommer über schlechtes Wetter – schließlich will man Sonne – aber beim Fotografieren darf es gerne dramatisch werden. In den frühen Morgen- und späten Abendstunden darf die Sonne gerne scheinen, doch tagsüber, wenn der Sonnenstand ungünstig ist, ist Regen oft sogar willkommen.
Der Sommer 2025: Unterwegs im Norden
Der Sommer 2025 passte genau in dieses Muster. Also: Van gepackt, Cube fürs Arbeiten, Kameras griffbereit – und mit meiner Frau Richtung Norden.
Ein rollendes Zuhause, Freiheit pur – im Grunde geht das mit jedem Auto.
Unsere Route führte abseits der Autobahn entlang der Elbe, nördlich von Potsdam über Landstraßen durch Brandenburg. Ich lasse anfangs die Arbeit gedanklich zurück und atme erstmal durch. Felder, Wasser, Wälder – die wirken, bis irgendwann die Kamera aus dem Rucksack will.
Ankommen und locker lassen
Bis St. Peter-Ording hatte ich die Kamera nur ein einziges Mal in der Hand – um politische Wahlplakate und später einen „Scarface“-Baum am Straßenrand zu fotografieren. Die Landschaft war ruhig, wenig besiedelt, Häuser oft marode – und dennoch schön.
„Du sagst das so oft – ‚Ich spüre hier etwas. Ich muss nochmal wiederkommen.’“
sagt meine Frau. Und sie hat recht.
Fotografieren in der Nähe – besser als du denkst
Man muss nicht immer alles sofort festhalten. Das Gefühl, etwas zu verpassen, ist ein schlechter Begleiter.
Mein Rat: Komm zurück – nimm dir Zeit.
Menschen und Landschaften zu porträtieren braucht Aufmerksamkeit. Und die hast du eher, wenn du in deiner Nähe arbeitest. Kurze Wege, mehr Flexibilität. Nicht so aufregend wie New York? Vielleicht – aber auch nicht weniger wertvoll. (Mehr dazu: „Der Westen im Osten“ – folgt bald)
Ziel haben, aber auch abkürzen können
Bis zur Elbe war der Weg inspirierend – ich habe ihn für zukünftige Projekte abgespeichert.
Doch ab der ehemaligen Grenze war mein Gefühl weg. Du erinnerst dich: Ich muss etwas spüren, um zu fotografieren. Das war dort nicht der Fall.
Also: direkte Weiterfahrt nach St. Peter-Ording.
Dort angekommen, ging es sofort an den Strand – ähnlich breit wie in Rømø, Dänemark. Von weitem sichtbar: die ikonischen Pfahlbauten. Mein Motiv. Hier entspannen Jung und Alt, Groß und Klein. Mein Ziel:
- Zeit nehmen und Stimmung einfangen
- Das Licht beobachten
- Menschen in der Landschaft fotografieren
Ziele stecken – und sie flexibel verfolgen
Hast du fotografische Ziele? Ich schon. Ich nehme mir bewusst Dinge vor, für die ich sonst keine Zeit finde.
Ich beobachtete, wie Wetter und Sonne die Landschaft in Zonen aufteilen – oder wie die Flut Menschen näher ans Land drängt.
So lerne ich: Auch tagsüber gelingen gute Bilder – wenn man weiß, worauf zu achten ist.
Ich bin kein Frühaufsteher und auch kein Jäger des perfekten Sonnenuntergangs. Ich beobachte. Und das reicht oft.
Zeit nehmen – die wichtigste Zutat
Das Wichtigste beim Fotografieren ist Zeit. Nimm sie dir.
Werde eins mit der Umgebung. Spüre das Tempo – und nimm es an. Erzähl deine Geschichte aus dem Blickwinkel, der sich für dich ergibt.
Mach dich bereit:
Zieh dir ordentliche Kleidung an. Pack eine Visitenkarte ein. Nutze eine Kamera, die dir Freude macht.
Lächle, bevor du losziehst.
Das klingt banal – aber es verändert alles.
Über mich – zurückhaltend, nicht leise
Ich bin ein eher zurückhaltender Fotograf. Ich führe Gespräche, wenn sie sich ergeben – und kann mich dann gut verkaufen.
Manchmal spreche ich Menschen an. Aber alles in einer für mich stimmigen, herzlichen Balance.
Das leichteste Schwergewicht unter den Kameras
Mein Favorit: Fuji X100V und VI mit den beiden Konvertern.
Wetterfest, kompakt, unauffällig – und mit elektronischem sowie messsucherähnlichem Sucher.
Drei Brennweiten, Top-Bildqualität – ein echtes Schwergewicht in der Fotografie. Preislich fast schon zu günstig für das, was sie kann.
Tipp: Von den Alten lernen
Wenn du alte Kurzfilme von bekannten Fotografen siehst – beobachte genau:
- Wie sie sich bewegen
- Was sie tragen
- Wie sie beobachten
Diese Hingabe und ihr Equipment haben mich inspiriert. Ich kopiere es nicht, aber übersetze vieles für meine Arbeit ins Heute.
Das Ergebnis – und was es mit Distanz auf sich hat
Das Schöne an der Fotografie: Es gibt immer ein Ergebnis.
Ich bearbeite meine Bilder meist sofort. Warum? Weil das Gefühl vor Ort noch frisch ist.
Aber: Schaue ich mir dieselben Bilder vier Wochen später an, gefallen sie mir oft noch besser.
Warum?
Der Abstand ist groß genug. Ich sehe die Bilder wie du – zum ersten Mal.
Probier es aus.
Fazit & FAQ
Jede Fotoserie könnte ein Editorial sein und von einem Magazin für redaktionelle Inhalte genutzt werden.
Was ist die wichtigste Erkenntnis dieser Reise?
Muss ich weit reisen, um gute Fotos zu machen?
Welche Kamera nutzt du?
Muss man Ziele haben?
Nicht immer. Aber sie helfen dir, den Fokus zu behalten – selbst wenn du ihn später bewusst verlässt.
Wie gehe ich mit "nichts fühlen" um?
SPO – Der Abschluss
Wir blieben drei Tage. Dann – wie so oft im Sommer 2025 – begann es durchgängig zu regnen.
Abzusaufen war keine Option. Das Equipment, auch wenn gut abgedichtet, braucht Trockenzeit.
Ein Hotel kam für uns nicht infrage. Aber der Gedanke an: „Wir kommen wieder – Schafe zählen im Norden“ gefiel uns.
Also: durch die Nacht, vorbei an Wacken (WOA), zurück ins wohlbehütete Potsdam.
Gute Nacht. Bis zum nächsten Mal.